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Juri Andruchowytsch

Moscoviada. Roman.

Suhrkamp Verlag, Frankfurt/M. 2006. Gebunden, 224 Seiten.

Aus dem Ukrainischen von Sabine Stöhr.

Otto von F., Literaturstudent aus der Westukraine, lebt in Moskau, dem »fauligen Herzen des halbtoten Imperiums«. Im Wohnheim des Gorki-Instituts hocken die poetischen Hoffnungen aus der sowjetischen Provinz aufeinander, künftige Vertreter der jungen Nationalliteraturen, die Gedichte in mittelalterlichem Jiddisch, ukrainische Verspoeme und usbekische Songstrophen verfassen. Es ist Anfang der neunziger Jahre, die Stimmung gereizt, der Wodka knapp …
An einem nassen Maitag zieht er los, um Geschenke in der »Kinderwelt« zu besorgen, dem Kaufhaus direkt neben dem KGB-Gefängnis Lubjanka. Er verirrt sich in Fluren und Treppenhäusern, landet in den Tunneln der Kanalisation und gerät in die Gewalt von Geheimdienstbeamten, die hier unten ein Rattenheer züchten. Was Otto von F. in den Katakomben unter dem Kreml und auf den Gleisen der geheimen Regierungsmetro widerfährt, das erzählt sein Vergil durch die Hölle Moskaus, Juri Andruchowytsch, mit Sarkasmus und groteskem Witz.
Moscoviada, Andruchowytschs erfolgreichstes Buch, ist von überraschender Aktualität. Das neoautoritäre Rußland, der eifernde Nationalismus, die Verklärung der kommunistischen Epoche, der chauvinistische Kitsch, der ideologische Druck – all diese Gespenster werden in einem karnevalesken Spektakel unter panischem Gelächter zum Teufel gejagt.

»Andruchowytschs Texte strotzen vor Erfahrung, von Saft und Kraft der Details, von der Gegenständlichkeit und Farbigkeit der Welt.« Karl Schlögel

»Es mangelt nicht an Büchern, die man mit Neugier zu lesen beginnt, aber es gibt nur wenige, die man am Ende mit Bedauern aus der Hand legt. Ich wünsche den deutschen Lesern, daß sie die ›Moscoviada‹ so genießen, wie ich sie genossen habe.« Stanisław Lem


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