Alois Brandstetter. Ein Vandale ist kein Hunne. Roman. (Residenz Verlag, 2007)
KORKS
Von Rainer Clodius
Um Alois Brandstetter ist es still geworden. Die frühen Romane und Erzählungen standen im Fokus der Literaturkritik, die letzten Bücher wurden kaum rezipiert. Dass Brandstetter trotzdem immer noch einer der großen Erzähler Österreichs ist, hat er mit seinem neuen Roman „Ein Vandale ist kein Hunne“ bewiesen.
Im oberösterreichischen Klagenfurt stößt der Icherzähler wiederholt auf die Graffiti-Signatur „KORKS“. Ausgehend von dieser Beobachtung rollt Brandstetter nun rein assoziativ ein großes Panorama europäischer Geschichte und Kulturgeschichte aus. Die Folge der Reflexionen, mit denen uns Brandstetter konfrontiert, erscheinen auf den ersten Blick willkürlich eingeflochten, beim zweiten Blick jedoch zwingend logisch in der Sequenz ihrer Aufeinanderfolge. Bis der Icherzähler am Schluss des Buches mit dem jugendlichen Urheber der Graffiti-Tags tatsächlich persönlich zusammentrifft, ist viel Platz für die witzigsten Gedankenketten.
Wenn man die Bereitschaft mitbringt, genau zu lesen und an dem Füllhorn von Bildung teilzuhaben, das Brandstetter präsentiert, wird man ein faszinierendes Buch entdecken. Es unter die Gattung Roman zu fassen, ist vielleicht nicht ganz passend; spannend wie ein Roman liest sich dieser Ausflug in oberösterreichische und europäische Geschichte trotzdem.
Alois Brandstetter. Ein Vandale ist kein Hunne. Roman. Residenz Verlag, Salzburg, 2007. 208 Seiten, 19,90 €.